Beikostreife - wann fangen wir an?

Beikoststart mit 6 Monaten? 

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. – Afrikanisches Sprichwort

Spätestens 3 Monate nach der Geburt bohren die ersten Fragen: „Bekommt er schon Brei?“ und „Reicht die Milch noch?“. Damit du dich nicht von Kinderärzten, Schwiegermüttern und Freunden verunsichern lässt, hier die Vorteile von einem Beikoststart nach frühestens 6 Monaten:

1. Der Darm ist reifer und schon mit einigen guten Bakterien besiedelt. Das hilft deinem Baby beim Verdauen. Die Darmschleimhaut ist weniger durchlässig. Lebensmittel werden dadurch besser vertragen und das Allergierisiko ist niedriger.

2.Dein Baby schiebt nicht mehr alles mit der Zunge aus dem Mund. Der Zungenstoßreflex nimmt ab dem 5. Monat immer weiter ab und ist ein natürliches Beikostreifezeichen. Der Reflex schützt euer Baby davor, etwas Gefährliches zu verschlucken, solange es nur Muttermilch bekommen sollte. Ist der Reflex verschwunden, wird er bald schon von Kaubewegungen ersetzt.

3.Die meisten Babys können jetzt die Hände gezielt zum Mund führen. Dein Baby übt mit Spielzeug und auch mit Lebensmitteln, wenn du es lässt. Dadurch lernt es mit allen Sinnen die Welt kennen.

4.Dein Baby kann leicht gestützt oder auf deinem Schoß sitzen und sein Köpfchen absolut sicher halten. Dadurch wird das Risiko des Verschluckens geringer und du kannst schneller eingreifen, falls es nötig sein sollte.

5.Du hast 6 Monate NULL Nährstoffstress. Mit Muttermilch ist dein Baby bestens versorgt. Sie passt sich von der Zusammensetzung der Nährstoffe selbstständig an. Nutze die Zeit, um dich über Nähr- und Mikronährstoffe für die Beikostzeit zu informieren. Aber das tust du ja gerade.

Ob dein Baby Zähne hat, spielt keine Rolle. Dein Baby sollte Interesse am Essen zeigen, doch das ist kein sicherer Beweis für die Beikostreife. Babys sind neugierig und interessieren sich für alles, was die Großen machen. Wir haben uns schon oft gefragt, wofür das viele Spielzeug ist, wenn unser Kleiner zufrieden Plastikschüsseln in der Küche sortiert oder mit dem Handfeger den Teppich bürstet.

AUSNAHMEN: Die 5 Gründe gelten nicht für alle Babys.

Musst du dein Baby mit Pre-Milch ernähren, solltest du darauf achten, ob die 4 wichtigen Beikostreifezeichen erfüllt sind und dann beginnen. Diese vier Zeichen sind, dass dein Baby:

  1. sein Köpfchen halten kann
  2. leicht gestützt auf deinem Schoß sitzen kann
  3. den Zungenstoßreflex kaum noch hat
  4. die Hände zum Mund führen kann.

Zeigt dein Baby die Beikostreifezeichen schon früher und besteht aufs Mitessen, dann biete ihm am besten gegartes Gemüse in Pommesgröße geschnitten an und schau was passiert.

Denn es gibt jemanden, der besser als wir beide zusammen weiß, wann der richtige Zeitpunkt für Beikost ist. Dein Baby. Wann du das Essen anbietest, ist deine Entscheidung. Meistens bietet sich eine Tag-Mahlzeit jedoch eher an, als das Abendessen. Sollte dein Baby auf die Beikost schlecht reagieren, musst du dir deswegen nicht die Nacht um die Ohren schlagen.

Lass dein Baby von Anfang an euren Familienessen teilnehmen, wenn es wach ist. Teilnehmen im Sinne von mit dabei sein.

Unserem Kleinen haben wir anfangs immer ein längs geschnittenes Stück Salatgurke gegeben. Erst hat er nur damit gespielt, dann irgendwann die „Kerne“ abgelutscht. Er hat zu dieser Zeit noch nichts abgebissen, deshalb gab es bei uns keine Sorgen wegen Verschlucken. Rohkost ist an Sich auch in Ordnung. Wenn dein Kind etwas nicht verträgt oder nicht mit der Beschaffenheit klarkommt, solltest du das Lebensmittel aus dem Programm nehmen. Mit Beschaffenheit ist das Halten von glitschigen Mangostreifen oder schnell zermatschter Avocado gemeint.

Zum ersten Kennenlernen gab es auch Hirse- und Maiskringel. Hirsekringel sind hochwertiger in ihren Nährstoffen, jedoch ist beides nur zum Üben sinnvoll und bildet keinen Teil von ganzheitlicher Ernährung. Die Kringel lösen sich im Mund schnell auf und können schon von sehr kleinen Fäusten gut gegriffen werden. Solange sie keine Mahlzeit ersetzen, sind die Kringel gut. Kekse, auch Babykekse, haben ähnliche Eigenschaften, bringen aber meist Zucker mit. Deshalb sind Kekse und Löffelbiskuits ungeeignet. Du kannst Babykekse oder Getreidestangen selbst backen. Doch sei nicht enttäuscht, wenn dein Baby sie ablehnt. Um das zu umgehen, backe erst, wenn die Kringel schon gut gelutscht werden können. Meist sind die Kekse anders in der Konsistenz. Für den Start empfiehlt sich glutenfreies Getreide. Wenn dieses etwa 4 Wochen gut vertragen wird, kann langsam auch glutenhaltiges Getreide wie Haferflocken, Dinkel und Roggen angeboten werden.

Es ist immer ein Angebot. Oft liest du von „einführen“. Um Himmelswillen führ deinem Baby nix ein ;-) Besser ist das Wort „anbieten“.

Für den Anfang gib deinem Baby das Lebensmittel in solchen Stücken, die es gut in der Faust halten kann. Ist das Stück zu kurz, kommt dein Baby nur mit größerer Mühe oder gar nicht daran.

Wenn dich die Fragen nerven, ob du echt immer noch stillst, habe ich hier einige Antworten für dich aufgelistet. Lass dich nicht beirren, es gibt nichts Natürlicheres oder Besseres, um dein Baby zu ernähren. Es wird essen. Zu seiner eigenen Zeit. Druck von außen erzeugt nur Verlierer.

Bei uns war es sogar so, dass wir mit genau 6 Monaten eine Reise gebucht hatten. Wir haben den Beikoststart dann auf Gurkenstücke anlutschen beschränkt und durchgestillt. Es war so viel einfacher für uns alle.

Der Beikoststart lebt von Geduld

Eine ganzheitliche Ernährung hat weniger damit zu tun, dein Baby schnell satt und ruhig zu bekommen. Damit dein Baby das Essen erleben kann, musst du es lassen.

Ein Löffel für Oma oder ein heransausender Flugzeuglöffel sind im Sandkasten witzig, am Familientisch eher befremdlich. Wenn du dabei deinem Baby noch die Hände festhältst, damit es nicht nach dem Löffel greift, blutet mein Herz.

Die Matsch-Phase, die Rumwerf-Phase, die Ausspuck-Phase, die Teller-Kipp-Phase und sogar die Teller-Ableck-Phase gehören alle dazu. Und sie sind endlich. Dein Baby bemerkt schnell, wenn sonst niemand am Tisch den Teller ableckt und wird sich bald anpassen. Mache weder eine Show daraus mit lautem Lachen und Applaus, noch schimpfe dein Baby die restliche Essenszeit aus. Sei ein gutes Vorbild.

Gib deinem Baby die Zeit die es braucht. Manche können sehr schnell mit Besteck essen, andere brauchen länger. Solange alles bei euch unter dem Dach der Liebe geschieht und ihr euch Zeit zum Essen nehmt, werdet ihr den für euch richtigen Weg finden.

Mit Humor gewürzt, geht’s leichter

Die Momente an denen ich mit Kehrblech und Schaufel unter dem Tisch sitze und mir ein hungriges Haustier für die ganzen heruntergefallenen Essensreste wünsche, halte ich gut aus.

Allerdings gibt es bei uns selten Reis.

Der ist schrecklich undankbar.

Ist die Sitzauflage frisch gewaschen, koche ich grundsätzlich etwas mit Tomaten- oder Gemüsesoße. Du bist nicht alleine.

Ich wünsche dir farbenfrohe Familientischgespräche,

 

Deine Kerstin

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